Diagnose Dystonie - DystonieformenWas ist Dystonie?

Dystonieformen

Zervikale Dystonie

Die zervikale Dystonie im Überblick

  • Auch „Torticollis spasmodicus“ oder „Schiefhals“ genannt
  • Betroffene Muskeln: Hals- und Nackenmuskulatur
  • Merkmale: „zervikal“ bedeutet „zum Hals (Cervix) gehörig“. Eine zervikale Dystonie bewirkt eine Drehung, Seitwärtsneigung, Beugung oder Streckung des Kopfes/Halses, abhängig von den betroffenen Muskeln des Halses. Es ergeben sich dabei verschiedene Formen.
  • Dystonieform: fokale Dystonie

 

Symptome

„Zervikale Dystonie“ bzw. „Schiefhals“ beschreibt eine Gruppe an Dystonien. Sie alle betreffen die Hals- und Nackenmuskulatur und verursachen dadurch (stabile) Fehlhaltungen im Hals-Kopf-Schulterbereich oder ungewollte Bewegungen, die unregelmässig oder regelmässig (rhythmisch) auftreten.

Bei ungefähr 50% aller Betroffenen kann neben einer Fehlhaltung von Kopf und Hals auch ein Schulterhochstand festgestellt werden.

„Sensorische Tricks“, wie das Anlegen eines Fingers an Wange oder Kinnspitze, sorgen beim Grossteil der Betroffenen vorübergehend für eine Linderung der Beschwerden.

Erscheinungsformen

Die Formen der zervikalen Dystonie unterscheidet man anhand der betroffenen Muskeln und anhand der Ausrichtung der Fehlhaltung des Kopfes („caput“) oder Halses („collum“):

Der Schiefhals - ein Symptom bei zervikaler Dystonie

Torticollis/Torticaput: Häufigste Unterform der Dystonie, bei der eine vertikale Drehung des Halses bzw. des Kopfes symptomatisch ist.

Laterocollis oder Laterocaput - Der Schiefhals bei zervikaler Dystonie

Laterocollis/Laterocaput: Neigung des Halses und des Kopfes in Richtung einer Schulter

Anterocollis oder Anterocaput ist ein Symptom bei zervikaler Dystonie

Retrocollis/Retrocaput: Streckbewegung des Halses bzw. des Kopfes nach hinten

Retrocollis oder auch Retrocaput ist ein Symptom bei zervikaler Dystonie

Anterocollis/Anterocaput: Vorwärtsbeugung des Halses bzw. des Kopfes in Richtung Brust

Lebensqualität und Begleiterscheinungen

Eine zervikale Dystonie kann die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken, denn viele Alltagsaktivitäten, wie z.B. Autofahren oder Kochen, können durch die Fehlhaltung entweder nicht mehr oder nur noch mit Einschränkungen ausgeübt werden.

Betroffene leiden ausserdem vielmals unter Schmerzen, Verschleisserscheinungen der Halswirbelsäule und Nerveneinklemmungen, die aufgrund der Fehlstellung des Halses auftreten können.

Darüber hinaus zeigt das Umfeld der Betroffenen oft kein Verständnis, weshalb der Verlust an Lebensqualität nicht selten mit vermindertem Selbstwertgefühl und sozialem Rückzug einhergeht. Es kann deshalb, neben der Dystonie, auch zu psychischen Erkrankungen kommen, beispielsweise zu Depressionen oder Angst.

Lernen Sie unter den Patientengeschichten Jasmin und Marlis kennen, zwei Betroffene, die von ihrem Leben mit einer zervikalen Dystonie erzählen.

 

Häufigkeit

Schätzungsweise sind 20 Einwohner von 100.000 von der Erkrankung betroffen. Meist äussert sich eine zervikale Dystonie das erste Mal im Alter von 40 Jahren. Sie kann sich langsam und fortschreitend entwickeln oder plötzlich und schlagartig in Erscheinung treten. Bevor die Fehlstellung des Kopfes erkannt wird, können häufig Anfangssymptome wie Nackenverspannungen oder Kopfzittern auftreten.

 

Ursache

Die Ursache für die Entstehung einer zervikalen Dystonie ist noch unklar, es handelt sich also um eine idiopathische Dystonie. Man vermutet, dass eine Störung im Bereich der Basalganglien auftritt. Dabei handelt es sich um einen bestimmten Bereich des Gehirns, der für die Steuerung von Bewegungsabläufen zuständig ist. Auch genetische Faktoren sollen bei der Entstehung des Schiefhalses eine Rolle spielen.