Therapie

Botulinumtoxin

Die Therapie mit Botulinumtoxin

Die Injektion von Botulinumtoxin stellt bei den fokalen Dystonieformen, laut ärztlichen Leitlinien, die Therapie der Wahl dar. Zervikale Dystonie, Blepharospasmus und laryngeale Dystonie können mit Botulinumtoxin wirkungsvoll behandelt und die Symptome der Betroffenen so erheblich gelindert werden.

Prof. Dr. Wolfgang Jost (Neurologe, Experte für Bewegungsstörungen) erklärt im folgenden animierten Video was Botulinumtoxin überhaupt ist und wie genau es wirkt.

Bitte aktivieren Sie die Marketing-Cookies, um Videos abspielen zu können:

 

Vor der Behandlung bedarf es einer genauen Diagnosestellung und der Identifizierung der beteiligten Muskeln durch den Arzt. Natürlich werden vorher auch alle Fragen von Seiten des Betroffenen geklärt und eine Einverständniserklärung eingeholt. Ausserdem müssen die Grundvoraussetzungen für die Therapie mit Botulinumtoxin abgeklärt sein.

Unter Umständen muss geklärt werden, ob die Behandlungskosten von der jeweiligen Krankenkasse des Patienten übernommen werden.

Wie läuft die Therapie ab?

Vorab wird die zu verabreichende Dosis individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt. Der Arzt muss dafür in einer vorangehenden Untersuchung möglichst exakt den Spannungs- und Funktionszustand der Muskulatur ermitteln, die von der Dystonie betroffen ist.

Der Wirkstoff Botulinumtoxin kann mit einer feinen Spritze direkt in die überaktive Muskulatur injiziert werden, um dort nach wenigen Tagen seine Wirkung zu entfalten. Es kommt vorübergehend zu einer Entspannung der krankhaft aktiven Muskulatur, wodurch unwillkürliche Bewegungen und schmerzhafte Verkrampfungen gelindert werden können.

Die Wirkung hält nur ein paar Monate an, sodass die Injektion in regelmässigen Intervallen wiederholt werden muss. Bei jeder Behandlung kann die Dosis oder das Injektionsschema angepasst und optimiert werden, was sehr vorteilhaft sein kann.

Je nach Erscheinungsbild der Erkrankung kann es durchaus zwei bis drei Behandlungen dauren, bis die optimale Injektionsdosis und das richtige Injektionsintervall gefunden ist. In diesen Fällen ist es wichtig, über die Erstbehandlung hinaus optimistisch und vor allem geduldig zu bleiben.

Nur besonders geschulte Ärzte sollten die Behandlung mit Botulinumtoxin übernehmen.

In unserer Expertensuche auf dieser Website können Sie direkt einen Experten bzw. Neurologen in Ihrer Region finden, der sich auf die Behandlung von Dystonien spezialisiert hat.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Man spricht von „Botulinumtoxin Typ A“. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der hochspezifisch an der Verbindung zwischen Nerven und Muskeln wirkt.

An dieser Verbindung, „motorische Endplatte“ genannt, findet unter normalen Umständen die Signalübertragung von der Nervenzelle auf den Muskel statt. Dadurch erhält der Muskel den Befehl zur Kontraktion, spannt sich an und verkürzt sich. Diese Signalübertragung an der motorischen Endplatte erfolgt über einen chemischen Botenstoff, der von der Nervenzelle ausgeschüttet wird.

Wird das Botulinumtoxin in einen Muskel injiziert, so dringt der Wirkstoff in die Nervenzelle ein und verhindert die Abgabe des chemischen Botenstoffs an den Muskel. Die Signalübertragung von der Nervenzelle auf den Muskel wird also vorübergehend unterbunden. Abhängig von der Dosis, ist also nur eine verringerte bis gar keine Muskelkontraktion mehr möglich.

Bei einer Dystonie überträgt das Gehirn zu viele Signale an den Muskel und daraus entsteht eine stärkere Anspannung des Muskels als nötig, was zu Verkrampfungen und unwillkürlichen Bewegungen führen kann. Durch die kontrollierte Injektion von Botulinumtoxin können diese fehlgesteuerten neuronalen Signale nicht mehr an den Muskel übermittelt werden. Dadurch kann sich die überaktive Muskulatur entspannen, was zu einer Symptomlinderung führt.

Bitte aktivieren Sie die Marketing-Cookies, um Videos abspielen zu können:

 

Wann wirkt Botulinumtoxin und wie lange?

Schon wenige Tage nach der Injektion kann bereits eine Verbesserung festgestellt werden. Die maximale Wirkung der Behandlung ist nach wenigen Wochen erreicht und hält gewöhnlich 3 bis 4 Monate an. In Einzelfällen kann die Wirkung auch länger oder kürzer anhalten.

Es handelt sich um einen vorübergehenden Effekt, man spricht auch von „reversibel“, denn das Botulinumtoxin wird vom Körper nach und nach abgebaut. Die Injektion muss deshalb in regelmässigen Abständen wiederholt werden, um den Therapieeffekt langfristig aufrecht zu erhalten.

Mehr dazu erklärt Prof. Dr. Wolfgang Jost (Neurologe, Experte für Bewegungsstörungen) im Video über die Behandlung mit Botulinumtoxin.

 

Was sind die Nebenwirkungen?

Es handelt sich bei Botulinumtoxin um einen gut untersuchten und bewährten Wirkstoff, der verkrampfte Muskulatur entspannt. Er wirkt lokal und wird in der Regel gut vertragen. Wie bei anderen Medikamenten, können auch bei der Behandlung mit Botulinumtoxin Nebenwirkungen auftreten.

Vor der Behandlung sollte man sich umfassend mithilfe der Gebrauchsinformation des verordneten Präparats über mögliche Nebenwirkungen informieren und bei Fragen an den behandelnden Arzt wenden. Auch wenn Nebenwirkungen auftreten, benachrichtigt man am besten direkt den Arzt.

 

Ist Botulinumtoxin sicher?

Botulinumtoxin ist in der zu medizinischen Zwecken eingesetzten Dosis und Anwendungsform nicht giftig für den Körper.

Bei Botulinumtoxin handelt es sich um eine Substanz, die auf natürliche Weise von einem Bakterium produziert wird. Zu früheren Zeiten ist es in Zusammenhang mit verdorbenen Fleisch- und Wurstwaren bekannt geworden, was zu einer Lebensmittelvergiftung, dem sogenannten „Botulismus“, geführt hat.

Heute macht man sich die Wirkung von Botulinumtoxin in der Medizin zunutze. Unter kontrollierten Bedingungen wird der Wirkstoff aus Kulturen des Bakteriums Clostridium botulinum gewonnen und in Form eines Medikaments aufbereitet. Die Wirkung von Botulinumtoxin ist so stark, dass wenige Milliardstel eines Gramms bereits ausreichen, um Muskelverkrampfungen effektiv lösen zu können.

 

Was mache ich im Notfall?

Eine sehr kleine Anzahl von Patienten kann starke oder allergische Reaktionen auf Botulinumtoxin entwickeln. Die Reaktionen treten nur selten auf – dennoch ist es wichtig, zu wissen wie im Notfall reagiert werden muss.

Mögliche Anzeichen für eine schwere allergische Reaktion sind:

  • Nesselsucht (Ausschlag mit roten Erhebungen)
  • Schwellung (von Händen, Füssen, Fussgelenken, Gesicht, Lippen, Mund oder Rachenraum)
  • Keuchende oder pfeifende Atmung
  • Schwierigkeiten beim Atmen
  • Atemnot

Bei schweren allergischen Reaktionen informieren Sie bitte umgehend Ihren Arzt, wenden Sie sich an die Notaufnahme Ihres nächstgelegenen Krankenhauses oder wählen Sie den Notruf (112).